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Seine Stimme verrät ihn: den Sumpfrohrsänger. Er ist zurück von einer langen Reise, die ihn von Afrika (Kenia) zu uns geführt hat. Bereits im August jedoch wird sich sein angeborener Zugimpuls bemerkbar machen und er bricht wieder auf ins Winterquartier, nachts und ganz allein. Seine Zugroute verläuft Richtung östliches Mittelmeer / Adria – Palästina – Niltal – Äquator – Kenia. Der Sumpfrohrsänger zählt zu den wenigen Arten, die auf ihrem Zug nicht die Westroute (Alpenbogen – westliches Mittelmeer – Gibraltar – Westafrika), sondern die östliche Route einschlagen. Er zählt, zusammen mit Neuntöter und Klappergrasmücke, zu jenen Singvögeln, die den längsten Zugweg haben. Der kleine Rohrsänger ist nun zurück; er ist Mitte Mai bei uns in seinem Brutgebiet eingetroffen. Hier wird er seine Jungen aufziehen und rund drei Monate verweilen. Der Gesang des Sumpfrohrsängers besteht aus einer Reihe von Imitationen (auf die Art bezogen ca. 70) mit Gesangselementen verschiedener Arten im Brutgebiet (Feldlerche, Rauchschwalbe, Amsel, Dorngrasmücke, Blaumeise, Feldsperling, Grünfink) wie auch von Arten im Überwinterungsgebiet. So kann es vorkommen, dass in Fehraltorf die Gesangssequenz eines exotischen Vogels zu vernehmen ist. Mit seinem grau­braunen Gefieder und der hellen Unterseite ist der unscheinbare zierliche Vogel von der Grösse einer Kohlmeise gut getarnt und kaum zu entdecken. Sein bevorzugter Lebensraum sind Feuchtstandorte; hier bewegt er sich geschickt in der dichten Vegetation wie Gras, Gebüsch, Schilf oder gewässernahe Brennesselbestände. Lässt er sich doch einmal kurz blicken, dann verschwindet er sofort wieder im Dickicht. Das Nest, ein napfförmiges Gebilde, hängt an Stielen von Hochstauden.

©Beat Germann, Exkursionsleiter SVS, beat.germann@yahoo.com

Publiziert in der Juniausgabe des Fehraltörfler, 5/2021.

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